Kreiskrankenhaus bietet neue Ansätze bei Rückenschmerzen
Aktuelles und Pressemitteilungen | 01.04.2025
Landkreis Bergstraße. Rückenschmerzen zählen zu den Volkskrankheiten in Deutschland. Doch ihre Ursache kann vielseitig sein. In der Abteilung der Wirbelsäulenchirurgie im Kreiskrankenhaus Bergstraße (KKB) gehen Experten den Auslösern auf den Grund. Dass Schädigungen der Wirbelsäule ein häufiges Problem sind, belegt auch die Statistik: So gibt das Statistische Bundesamt bekannt, dass operative Eingriffe an der Wirbelsäule auf Rang zwei der häufigsten OPs in Deutschland liegen. Auch im Kreiskrankenhaus wachse die Abteilung, entsprechend der Nachfrage, stetig, erklärt der Leiter der Wirbelsäulenchirurgie am KKB, Alexander Younsi.
Einst lagen chirurgische Eingriffe an der Wirbelsäule auf Platz eins der deutschen Statistik, wurden inzwischen jedoch von Operationen am Darm eingeholt. In der Forschung im Bereich Neurochirurgie habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Die wachsende Grundlage an Studien sorge für moderne Behandlungsansätze, das sei ein Grund für den Rückgang der Operationen. „Wir arbeiten evidenzbasiert, zudem sind wir an Studien beteiligt und führen diese auch durch“, erklärt Professor Sandro Krieg, geschäftsführender Direktor der Neurochirurgie am Uniklinikum Heidelberg, das mit dem Kreiskrankenhaus zusammenarbeitet.
Genauere Diagnostik durch Forschungsfortschritt
Das geschehe auch über den operativen Eingriff hinaus. „Über eine digitale Anwendung können uns unsere Patienten den Status ihres Behandlungserfolgs mitteilen, das funktioniert über eine objektive Abfrage zur Bewältigung von Alltagsaufgaben und dem verbundenen Schmerzlevel“, berichtet Krieg. Die Befragung fließe dann in Studien zum jeweiligen Eingriff ein.
Den Fortschritt in der Forschung habe es unter anderem auch gebraucht, um bessere Diagnosen stellen zu können. Das Behandlungsspektrum am KKB wird zudem durch die neurochirurgische Schmerztherapie, unter der Leitung von Prof. Ahmadi, für Symptomatiken, die keinen operativen Eingriff erfordern, ergänzt. „Insgesamt kann man sagen, dass der Trend im Bereich der Wirbelsäulenchirurgie in Richtung weniger invasive und minimalinvasive Eingriffe geht“, erklärt Krieg.
Heute würden beispielsweise weniger Verschraubungen an der Wirbelsäule vorgenommen, da Studien belegen, dass in bestimmten Fällen konservative Behandlungsmethoden, heißt nicht-operative Maßnahmen, wie Physiotherapie, hilfreich sind. Die diagnostische Genauigkeit werde zudem durch die Weiterentwicklung der Magnetresonanztomografie geschärft, erklärt Schmerzexpertin Rezvan Ahmadi.
Trotz dessen, dass man in der Wirbelsäulenchirurgie nicht mehr so häufig zum Skalpell greift wie in der Vergangenheit, haben im Jahr 2023 über 300 Operationen am KKB in Heppenheim stattgefunden, informiert Younsi.
Diese Warnsignale sollten ärztlich geklärt werden
Rückenschmerzen sind für viele Menschen großen Einschränkungen im Alltag verbunden. Obwohl es auch weniger schwerwiegende Problematiken, wie Muskelverspannungen gibt, sei auf bestimmte Warnsignale zu achten, die ärztlich gecheckt werden sollten. Dazu gehören starke Schmerzen in den Beinen beim Gehen, Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen sowie Kraftverlust. Vor allem bei Rücken- und Beinschmerzen in Kombination sei eine Abklärung nötig, erklärt Younsi.
Vor allem Menschen, die ihren Rücken einseitig belasten, seien langfristig gefährdet. Einseitige Belastungen, häufiges Sitzen und genetische Veranlagung können zu einer schnelleren Abnutzung der Wirbelsäule führen. Dabei spiele die Berufsgruppe eher eine untergeordnete Rolle. Personen, die körperlich schwer arbeiten, seien nicht per se anfälliger für Rückenschmerzen und -schäden.
Generell sei die Wahrnehmung von Schmerz sehr individuell, erklärt Ahmadi. „Schmerz ist eine sensorische Wahrnehmung, die im Akutzustand als Warnsignal für eine körperliche Störung dient“, so die Neurochirurgin. Im Zuge der Chronifizierung verliere der Schmerz diese Funktion allmählich. „Im Laufe der Zeit, je nach Begleiterscheinung, Persönlichkeitsmerkmalen, Vorerfahrungen und physiologischen bzw. psychischen Konstitutionen des Menschen kann der Schmerz sich in Leid umwandeln“, berichtet die Ärztin. Bei einer unzureichenden Behandlung des Schmerzes können sich die körpereigenen Mechanismen zur Unterdrückung des Schmerzes sowie die emotionale Verarbeitung, das Schmerzerleben verändern, sagt Ahmadi.
Wer Schmerzen hat, ist mittlerweile geneigt, im Internet nach möglichen Diagnosen zu suchen, selbst die Künstliche Intelligenz wird inzwischen gerne um Rat gefragt. Doch diese Ergebnisse können, gerade bei Beschwerden, die mehrere Ursachen haben können, zu Verwirrung führen. „Eine Netz-Recherche verunsichert meiner Erfahrung nach die Patienten eher zusätzlich“, berichtet Krieg. Dennoch erlebe er oft, dass Patienten gut informiert zur Sprechstunde kommen. Eine Empfehlung zur Internetrecherche hat der Neurochirurg jedoch: die Website der Deutschen Wirbelsäulen Gesellschaft.
Vortrag zu Ursachen und Behandlung bei Rückenschmerzen:
Die Experten Krieg, Ahmadi und Younsi vom Kreiskrankenhaus Bergstraße und dem Universitätsklinikum Heidelberg informieren am 13. Mai in der Amtsgasse 5 in Heppenheim über Fortschritte in Diagnostik, Therapie und Prävention von Rückenschmerzen. Der kostenfreie Vortragsabend geht von 17 bis 19 Uhr, eine Anmeldung ist nicht nötig, es wird jedoch um pünktliches Erscheinen gebeten.
von Theresia Schiller
Der Artikel erschien zuerst im Echo. (Hier klicken, um zum Artikel zu gelangen)
