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So läuft eine Geburt im Hebammenkreißsaal am KKH Bergstraße

Aktuelles und Pressemitteilungen | 16.03.2025

Heppenheim. Im Kreiskrankenhaus Bergstraße (KKB) in Heppenheim begleiteten im vergangenen Jahr 2024 die Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzte der Geburtshilfe 751 Geburten. Auch im sogenannten Hebammenkreißsaal. Doch was ist das und für wen ist so etwas geeignet?

„Der Hebammenkreißsaal ist kein Raum, er ist ein Konzept“, erklärt Hebamme und Hebammenkreißsaal-Beauftragte Jessica van der Meulen. Dabei wird zwischen zwei Kreißsaal-Betreuungskonzepten unterschieden: Zum einen gibt es das Konzept mit einem Arzt und einer Hebamme, die sich um die Gebärende kümmern. Zum anderen gibt es den Hebammenkreißsaal, bei dem eine Hebamme die Mutter betreut. Dieses Konzept befindet sich bereits im siebten Jahr, wie Dr. Cordula Müller, Chefärztin der Gynäkologie am KKB, berichtet.

Insgesamt drei Kreißsäle stehen im Kreiskrankenhaus zur Verfügung. Das Konzept kann dabei in jedem der drei Räume umgesetzt werden. Auch wenn die Räume an sich doch unterschiedlich sind. Während in einem etwa eine Wanne steht, in der sich die Frau vor oder während der Geburt entspannen kann, steht in einem anderen Raum das bewegte Bett, die sogenannte „Vibwife“.

Da es nicht immer möglich ist, sich über den gesamten Geburtsverlauf selbst zu bewegen, ist das Bett eine Unterstützung. Das Kreiskrankenhaus gehört zu den wenigen Kliniken in Deutschland, die ein solches Bett besitzen, wie Dr. Müller erklärt.

Zwei Termine in der Hebammensprechstunde

Doch für wen ist das Konzept des Hebammenkreißsaals geeignet? Wer sich für das Konzept der hebammengeleiteten Geburt interessiert, benötigt während der Schwangerschaft zwei Termine in der Hebammensprechstunde des Kreiskrankenhauses. Der erste Termin sollte in der Zeit zwischen der 27. und 32. Schwangerschaftswoche stattfinden, der zweite Termin ab der 36. Schwangerschaftswoche. Dabei geht es darum, die Bedürfnisse der Schwangeren und die werdende Mutter selbst kennenzulernen. „Der Hebammenkreißsaal ist ein Zusatzangebot“, erklärt Jessica van der Meulen. Eine Alternative zum Standard.

Bei diesen Gesprächen wird aber auch bereits erörtert, ob das Konzept des Hebammenkreißsaals passt und auch für die Frau geeignet ist. Denn für eine hebammengeleitete Geburt gibt es einen Kriterienkatalog, wie Jessica van der Meulen berichtet.

Vorerkrankungen sollten abgeklärt werden

Somit ist das Konzept des Hebammenkreißsaals für gesunde Schwangere, auch das Alter ist dabei eines der Kriterien. „Jede Frau darf sich bei uns vorstellen, auch mit Vorerkrankungen“, erklärt Marie Schmitt, kommissarische Kreißsaalleitung. Während des Vorgesprächs würde dann darüber gesprochen, denn nicht jede Vorerkrankung habe auch Einfluss auf die Geburt. Auch Frauen, die bei einer vorherigen Geburt einen Kaiserschnitt hatten, werden gebeten, sich noch einmal vorzustellen. „Wir schauen dann, welche Gründe es für den Kaiserschnitt gab und ob ein Wiederholungsrisiko besteht“, erklärt Dr. Müller. Auch die Narbe werde sich genauer angeschaut.

“Jede Frau darf sich bei uns vorstellen, auch mit Vorerkrankungen.”

Marie Schmitt, kommissarische Kreißsaalleitung, Kreiskrankenhaus Bergstraße

„Da ist die Zusammenarbeit mit den Ärzten wichtig“, erklärt die Hebamme Marie Schmitt. Spricht nach einem Konsil nichts gegen den Hebammenkreißsaal, „behalten wir die Narbe bei der Geburt aber auch im Blick“, erklärt sie.

Bei einer hebammengeleiteten Geburt „gehen wir in die eins zu eins-Betreuung“, erklärt Jessica van der Meulen. Ganz nach dem Tempo und den Bedürfnissen der Frau. „Dabei hat sie eine Hebamme an ihrer Seite – ohne Eingriffe von außen“, erklärt Marie Schmitt. „Die Geburt ist ein guter Kreislauf, wir wollen das mit unserem Konzept unterstützen.“

Arzt kann hinzugerufen werden

Und sollte es doch zu Komplikationen, Schmerzmittelgabe oder Situationen kommen, die nochmal einen ärztlichen Blick benötigen, besteht die Möglichkeit, schnell zu handeln. Denn in solchen Fällen wird ein Arzt oder eine Ärztin hinzugezogen und schließlich gemeinsam betreut. Diese Überleitung ist auch für die Frauen weniger traumatisch, „das Setting ist das gleiche, nur statt einer zweiten Hebamme kommt ein Arzt hinzu“, erklärt Jessica van der Meulen. Und es kann schnell gehandelt werden, wenn es nötig ist.

Dabei können die Räume nach den Bedürfnissen der Frauen gewählt werden, die medizinische Ausstattung ist jeweils identisch, aber nicht auf den ersten Blick erkennbar. „Jedes Paar ist eingeladen, persönliche Dinge mitzubringen, mit denen sie sich wohlfühlen, wie Musik oder ein Duft“, erklärt Marie Schmitt.

„Es geht um begleiten statt leiten. Die Frauen gebären ihr Kind, ich habe das Privileg, sie dabei zu unterstützen, da zu sein“, erklärt van der Meulen.

Von Julia Wetzel, Redakteurin Echo

Der Artikel wurde am 15.  März 2025 auf echo-online.de und ist hier abrufbar: So läuft eine Geburt im Hebammenkreißsaal am KKH Bergstraße